Kuba #100, Gesellschaft

Seit ich Bekanntschaften hauptsächlich tagsüber schliesse und mich in der Salsaszene französisch durch den Notausgang verabschiede, hat sich mein Umfeld drastisch verändert. Plötzlich müssen meine Bekanntschaften früh morgens arbeiten gehen, verwenden Worte wie «Danke» oder «Bitte». Niemand beklagt sich über den kargen Monatslohn.

Neulich stellte sich an einem Konzert eine Schönheit als Schauspielerin vor. Natürlich glaubte ich ihr kein Wort und präsentierte mich meinerseits lakonisch als Astronaut. Nach dem Konzert sass dann überraschend die halbe Band an unseren Tisch und sprach über ihre neue Serie. Ich war sprachlos und fand meine Mondlandungsgeschichten dann doch etwas peinlich.

Mit etwas Interesse, Geduld und Fingerspitzengefühl lebt es sich in Havanna ganz anständig. Wie in jeder anderen Stadt gibt es auch hier eine arbeitende Bevölkerung, die Tag für Tag ihre Pflicht erfüllt. Trotz all der Jineteras, Betrüger und Abzocker – trotz der Revolution und des Sozialismus – es gibt in La Habana so etwas wie einen Alltag mit anständigen Menschen. Man muss ihn einfach etwas länger suchen.

Geschrieben aus .