Amerika #92, Kapitän Schiffbruch

Mein Ziel war nicht zu fliegen, am Schluss habe ich dann doch den Flieger von Nassau nach Havanna genommen. Ich bin enttäuscht. Wenigstens habe ich es versucht wie folgende wirre Geschichte beweist.

Auf meine Couchsurfing Anfrage meldete sich ein Valentin, gemäss seiner Internetseite rumänischer Staatsbürger, Ökonom, Steuerberater und Quacksalber in jeder Lebenslage. Ich nenne ihn der Einfachheit halber Kapitän Schiffbruch. Seine Offerte war für 45 USD auf dem Deck seines Segelschiffes zu übernachten. Mehr als die Schlafgelegenheit interessierte mich die Tatsache, dass man auf Segelschiffe meiner Meinung auch segeln kann. Daraus resultierte folgender E-Mail Verkehr:

Ich: «Kannst Du mich nach Kuba bringen?»
Er: «Wie viel kannst Du zahlen?»
Ich: «Nicht viel. 350 USD.»
Er: «Kannst Du segeln?»
Ich: «Nein, keine Ahnung, aber bin sportlich und lernfähig.»
Er: «Komm doch einfach vorbei und schau Dir das Schiff mal an.»

Stopp! Was will der gute Kapitän mir da mitteilen. Ich zahle keine 350 USD um ein Schiff anzuschauen. Entweder ist er ein Scherzkeks oder sein Segelschiff ist eine Attrappe? Ich rufe ihn an:

Ich: «Weisst Du, dass es eine Blockade zwischen den USA und Kuba gibt? Du darfst mit Deinem Segelboot nachdem Du in Kuba warst nicht nach Amerika zurück.»
Er: «Aha. Ich habe zwei Pässe, einen rumänischen und einen amerikanischen*.»
Ich: «Aha. Ist Dein Schiff seetauglich?»
Er, lange Pause: «Naja, ich bin noch nie so weit gesegelt. Man müsste da noch das Blablabla und das Blablabla reparieren. Komm doch einfach vorbei wenn Du das Abenteuer liebst!»
Ich: «Kannst Du mich nach Kuba bringen: Ja oder Nein?»
Er, noch längere Pause: «Wenn Du jemand findest der Segeln kann.»
Ich: «Wie, Du kannst nicht segeln?»
Er: «Kein Problem. Am besten schaust Du im Internet wie man nach Kuba navigiert – nach fünf Stunden Studium kannst Du das bestimmt.»
Ich: «Super, genauso machen wir das. Wir sehen uns morgen.»
Ich hänge auf und buche die Fähre nach Freeport und das Frachtschiff nach Nassau.

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* Falsch: Ein Schiff darf nach Kuba für 6 Monate nicht in den USA anlegen – egal welche Nationalität der Besitzer ist. Sonst würde die Blockade einfach von Ausländern unterwandert.

Geschrieben aus .

5 thoughts on “Amerika #92, Kapitän Schiffbruch

  1. Ivo Roberto Baelli

    Jürg: klar, mache ich gerne.

  2. Michel Krämer

    Ich wollte von Feuerland nach Peru ohne zu fliegen und an einer Stelle, nun ja, sass ich dann in einer winzigen Propellermaschine. Das Schiff war ausgebucht und der Landweg uninteressant, kompliziert und teuer. Monate später mit mehr als 15000km Bus/Auto hinter mir fühlt es sich trotzdem an als wäre ich nicht geflogen und ich denke es war die richtige Entscheidung. Wichtig ist was du erlebst, nicht das Dogma.

  3. Ivo Roberto Baelli

    Michael: Wooh, Gratulation zu Deiner Reise und danke für Deine Worte!

  4. Oana Si Cristi Ungureanu

    Hello, Roberto. We are back in New York today. All the best to you and have fun!

  5. Jürg Bühler

    Scheint echt spassig sein Dein Trip.. falls Du irgendwann wieder mal in die Schweiz kommst können wir uns mal wieder treffen..

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