Amerika #90, «Fairway market»

Irgendwie muss ich wohl wie ein Nordkoreaner gewirkt haben, der nach 60 Jahren Kommunismus das erste Mal in einem westlichen Laden steht, als mich der «Fairway» Mitarbeiter besorgt fragt, ob es mir gut geht. Und genau so habe ich mich in dem Moment auch gefühlt. Schon in den Supermärkten Frankreichs hatte ich den Verdacht, dass ich von Coop und Migros zeitlebens für dumm verkauft wurde. Jetzt stehe ich in New York in einem «Fairway» und weiss es mit Bestimmtheit! Die Lebensmittel sind einladend präsentiert und verlocken: einfach zum «Reinbeissen». Alle Früchte sind knackig, sie tropfen förmlich vor Reife. Die Milchprodukte und Fleischabteilung sind so gigantisch, dass sie in einem eigenen begehbaren Kühlschrank sind. Es gibt «Organic», «Koscher» bis «Halal» Fleisch. Ich finde fünfzehn verschiedene Teigwarenmarken mit etwa 80 verschiedenen Variationen. Liegt nicht die Schweiz neben Italien? Die meisten Waren sind nachhaltig produziert. Das alles in einem normalen «Fairway», der nicht grösser als ein Dorf Migros ist. Irgendetwas machen die New Yorker besser als wir. Liebe Migros, lieber Coop: Ich vermisse einiges aus der Schweiz. Euer stiefmütterliches Warensortiment gehört nicht dazu.

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