#126 Hilfe, mein Blut kocht!

Ich stehe am Eingang des Nationalparks des Chimborazos auf 4‘300 MüM. Soeben bin von Meereshöhe in wenigen Stunden hierhin zum Übernachten gefahren. Mein Körper fühlt sich an als würde das Blut in meinen Adern kochen. Alles brodelt in mir als wäre ich persönlich der Vulkan auf dem ich eigentlich nur stehen wollte. Mein Kopf schmerzt, er fühlt sich an wie von tausend unsichtbarer Hände zusammen gepresst.

Dass ich mich „schlecht“ fühle ist grundsätzlich gut! Es ist nur normal, dass ich nach einem so schnellen Aufstieg die Höhe spüre. Ein Blick auf die leeren Trinkflaschen auf dem Beifahrersitz zeigt mir, dass sich diese deutlich schlechter fühlen. Sie sind kurz vor dem platzen, obwohl ich sie auf Meereshöhe zum Recyceln komplett zusammengepresst habe! Als ich was essen will, stelle ich fest, dass auch die Nudelsuppenpackungen gebläht und die Thunfischdosen leicht gewölbt sind und ein wenig „schwitzen“. Da bin ich nur froh, dass ich kein verpacktes Nahrungsmittel bin.

Es ist mittlerweile 19:00 und die Sonne geht unter. Ich vereinbare mit dem besorgten Parkwächter, dass ich mich eine Stunde hinlege, dann entscheide, ob hier oben schlafe werde. Eine Stunde später ist klar, dass ich auf 3’200 MüM „absteige“, wo ich dann auch bestens schlafen kann. Das war vor drei Monaten in Ecuador. Seitdem habe ich mich konstant – bis auf einen dreiwöchigen Ausflug an Peru’s Küste – auf über 3’000 MüM aufgehalten.

Wenn sich das Wallis rühmt die Gegend der 41 Viertausender zu sein, so sind die Anden das Gebirge das kaum 41 Orte besitzt, die unter 3’000 MüM liegen. Überraschenderweise war mein tiefster Aufenthalt derjenige von Machu Picchu auf schlappen 2’400 MüM

Wirklich überraschend ist wie schnell sich unser Körper an die enormen Veränderungen anpasst. Klar ist man auf 4’000 MüM nach körperlicher Anstrengung schnell ausser Atem. Klar schläft man nachts schlecht und meistens in einer leicht aufrechten Schlafposition. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber erstaunlichgut an die körperlichen Defizite. Sie sind etwa so lästig wie das Schnäuzen der Nase bei einer Erkältung.

Wenn ich mir da die strohdummen Büchsen, Plastiktüten und -flaschen anschaue ist unser Körper wahrlich ein Meisterwerk! Eigentlich müssten wir alle ab 3’000 Meter explodieren wie kleine Knalltüten! Insofern bin ich doch froh, dass ich nicht wie Trapattoni in seinem berühmten Interview zu sagen pflegt „wie Flasche leer bin!

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