#124 Göttliche Schokolade

So, der Onkel Ivo erklärt Euch heute wie man seine eigene, hausgemachte Schokolade herstellt*. Egal, ob ihr Reisen, VW Busse oder mich mögt, legt bitte mal Alles zur Seite, denn Ihr seit Schweizer und liebt Schokolade!

Wir sind Weltmeister. Ja, sogar unbestrittene Weltmeister! So was können wir Schweizer nur in ganz wenigen Disziplinen von uns behaupten. Wir sind Weltmeister im Verzehr von Schokolade. Pro Kopf essen wir angeblich 119 Tafeln Schokolade pro Jahr. Jemand von Euch „verdrückt“ also zusätzlich nebst seinen 119 Tafeln noch 118 Tafeln für mich! Was für ein „Fresssack“!

Das Wort Schokolade stammt von den Atzteken in Mexiko, die ihr Gewürzgetränk aus kaltem Wasser, Kakao, Mais, Vanille, Cayennepfeffer und etwas Salz „xocóatl“ oder „xocólat“ nannten was so viel wie „bitteres Wasser“ heißt.

Wer Schokolade nur aus dem Aluminiumpapier von Coop oder Migros kennt, dürfte schon überrascht sein, dass die Schokolade aus einer Frucht stammt und am Baum wächst. Eine Kakao Frucht enthält vierzig Fruchtkerne, die von einem süßen Fruchtfleisch umgeben sind. Auf einer Plantage von einem Hektar** wachsen 1’000 Kakaobäume, diese enthalten 40’000 Fruchtkerne, damit werden 1’000 Kilo Rohschokolade hergestellt was wiederum 10’000 Tafeln Schokoladen gibt. Genug um 84 Schweizer für ein Jahr mit Schokolade zu füttern.

Nach der Ernte werden die Kerne mitsamt dem Fruchtfleisch fermentiert, was dem bitteren Kakaokern erst seinen typischen süßlichen Geschmack gibt. Die fermentierten Kerne werden dann getrocknet und als Endprodukt im Jutesack zum Produzenten in der Schweiz gesandt.

Erst durch das Rösten beim Produzenten entfalten sie ihr finales Aroma wobei bis zu 400 neue Aromastoffe entstehen. Die Kerne danach werden von der dünnen Hülle gereinigt, übrig bleibt die Rohschokolade. Mit einer Presse kann die Rohschokolade nun in ihre zwei Bestandteile zerlegt werden: Dem Schokoladenpulver und dem Kakaofett.

Der Chocolatier mischt nun die beiden Komponenten in einem neuen Verhältnis und fügt Zucker dazu. Schokolade mit hohem Schokoladenpulveranteil wird als Bitterschokolade bezeichnet. Wird der Anteil an Kakaofett erhöht und mit Milchpulver verschnitten, handelt es sich um Milchschokolade. Ich bin – besser war – ein Fan von weisser Schokolade. Zu meiner Überraschung enthält weisse Schokolade genau 0.00% Schokoladenpulver!

Wahnsinn, wer die Zutaten in einem einfachen Glas sieht, weiss sofort wieso weisse Schokolade so ungesund und gleichzeitig so unglaublich gut ist: Weisse Schokolade besteht aus 50% Zucker, 40% Fett und 10% Milchpulver! Auch Milchschokolade enthält immer noch 50% Zucker und 20% Fett. Gott segne die Eltern, die Ihre Kinder mit Kinderschokolade in die Schule schicken und noch das Gefühl haben ihre Kinder gesund zu ernähren! Bitterschokolade enthält wenigstens kaum Fett, besteht aber immer noch zu 30% – 50% aus Zucker und Schokoladenpulver. Kalorientechnisch ist schwarze Schokolade also auch kein Leichtgewicht, aber wegen des hohen Kakaoanteil doch gesundheitsfördernd.

Ich entscheide mich für eine Milchschokolade. Als Geschmacksrichtung gebe ich gehackte Mandeln und grobes Salinensalz dazu. Verführerisch wie die süsse, flüssige Schokolade vor mir liegt. Es fällt mir schwer die Masse in die Formen zu verteilen ohne alles direkt zu essen. Danach werden die Schokoladeformen im Tiefkühler 20 Minuten gekühlt. Die Wartezeit erscheint mir unendlich. Dann ist es soweit: Ich kann die Schokolade aus den Formen klopfen und sie liegt essbereit vor mir.

Ahhhhh! Einfach göttlich wie die zarten Schokolade auf meiner Zunge schmilzt und sich ein süsslich, bitterer und leicht salziger Geschmack in meinem Mund breit macht. Nein, ich denke nicht daran das mit jemandem zu teilen. Erst als mir übel ist, überlasse ich den Rest der Belegschaft im „Hostal“ wo ich seither nur noch gute Freunde habe. Auch wenn mir jetzt schlecht ist, ich bereue nichts: Schokolade ist einfach göttlich! ***

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* Im „Museo de Chocolate“ in Lima darf ich in einem Workshop meine eigen Schokolade herstellen. Den Workshop und vor allem den Genuss der Schokolade danach kann ich jedem Reisenden nur wärmstens empfehlen.
** Eine Fläche von 100 x 100 m.
*** Den Azteken galt die Pflanze als Geschenk des Gottes Quetzalcoatl und wurde als heilig verehrt.

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