#121 Achtung Lebenskünstler!

Nachdem ich mich entschieden habe meine Stelle zu künden, interessierten sich einige zuerst dafür was ich nach meiner Rückkehr arbeiten werde, noch bevor sie meinen Reiseplan überhaupt kannten. Wahrscheinlich eine urtypische Reaktion in einem Land das in der ständigen Sorge um das Morgen lebt.

Jetzt wo ich unterwegs bin, treffe ich auf viele Reisenden mit deutlich gewagteren Lebenskonzepten als mein Plan-b. Von ihnen lerne ich tag täglich die Zeit zu geniessen, weniger Schweizer zu sein und mehr loszulassen.

Auffallend häufig treffe ich Argentinier. Noch auffallender ist, dass alle gut gelaunt und extrem friedfertig sind. Sie sind teilweise seit Jahren unterwegs ohne einen Rappen im Hosensack zu haben.

Die Busreisenden unter ihnen reisen vielfach im uralten, klassischen VW T2. Alle verkaufen handgemachte Souvenirs um ihre Reise zu finanzieren wobei der Art der Souvenirs keine Grenzen gesetzt sind. Ricardo, der mit dem Fahrrad durch Südamerika fuhr, verkaufte zum Beispiel selbst gebastelte Postkarten für einen Dollar. Mit drei Postkarten hat er sein Tagesbudget finanziert.

Die Argentinier, die ohne eigenes Fahrzeug reisen, tingeln von Ort zu Ort. Sie arbeiten meistens einige Monate um sich die Reisekosten für das nächste Land zu sparen. Sie sind so zahlreich, dass ich Angst habe das Land sei – wenn ich dereinst in Argentinien ankomme – verlassen und wegen „Ferien“ geschlossen.

Für mich als Schweizer ist unterwegs zu arbeiten keine wirkliche Option, jedenfalls nicht aus finanzieller Sicht*. Spannender sind die Konzepte bei denen das Geld im Heimatland verdient wird und im Reiseland ausgegeben. Wie José Castelló in seinem vielbeachteten Buch „Vive sin Trabajar!“ schreibt, besteht die Kunst des Lebens darin, sein Erspartes zu verdoppeln indem man es im Ausland ausgibt.**

„Held der Arbeit“ ist, wer beides gleichzeitig tut, also im Ausland lebt und seinen Lohn in einem Hochpreisland verdient. König dieser Disziplin ist Gregorio, der mit allen Wassern gewaschene Italiener, der in Medellín lebt (siehe Blog „#110 Ewiger Frühling“). Unglaublich, er mietet in Florenz zwei Wohnungen und vermietet diese per Airnb zu 80€ pro Nacht an Touristen weiter. So verdient er monatlich locker 2’000€, die er in Medellín kaum ausgeben kann. Etwas legaler hat sich das Zürcher Ehepaar frühpensioniert, das in Horgen eine Garage geerbt hat. Statt diese selber zu betreiben, vermieten sie das Gebäude und reisen nun nach Lust und Laune um die Welt.

Hier weitere gelungene Ideen Geld auf Reisen zu Hause zu verdienen:

  • Ein Amerikaner gibt seit mehreren Jahren im Internet English Unterricht, während er in Südamerika von Stadt zu Stadt zieht. ***
  • Ein anderer Amerikaner tingelt durch Kolumbien und bietet in den Staaten IT Serverdienste an.
  • Eine Österreicherin bietet per Internet zu Hause Übersetzungen an, lebt aber im Ausland.
  • Am exotischsten ist wohl das holländische Paar, die als Fitnessinstruktoren Trainingspläne und Coaching per Skype anbietet, während sie jeweils einen Monat in einer Stadt Südamerikas leben (ohne spanisch zu sprechen).

Die Möglichkeiten sind unendlich, wenn man seiner Fantasie keine Grenzen setzt und bereit ist seinen Traum zu leben! Auf was wartet Ihr, es hat hier Platz für alle!

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* Gut möglich, dass ich einmal zum Spass in einem Land arbeite um es besser kennen zu lernen.
** Wobei man als Schweizer seinen Lohn locker vervielfachen kann.
*** Die entsprechende Webseite heisst www.teachonlineenglish.com.

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